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Unsere Gründungsgeschichte

Enge Zusammenarbeit von Gründerin, Stifter und Architekt

Die Gründung des Dachauer Karmel steht auf drei „tragenden Säulen":

  • Die Gründerin – Mutter Maria Theresia (Dr. Berta Vorbach 1911-1970)
  • Der Stifter – Weihbischof Johannes Neuhäusler (1888-1973)
  • Der Architekt – Prof. Josef Wiedemann (1910-2001)

Gründerin des Karmel Dachau: Mutter Maria TheresiaEs begann mit einem Brief an den Erzbischof von München und Freising

Im Januar 1962 trug die Priorin des Karmelitinnenklosters in Pützchen/Bonn – Mutter Maria Theresia – in einem Brief an den Erzbischof von München und Freising – Julius Kardinal Döpfner – die Bitte einer Gründung im ehemaligen KZ Dachau vor. Der Oberhirte von München nahm diesen Anstoß auf und übertrug die weiteren Schritte seinem Weihbischof Johannes Neuhäusler, der selbst vier Jahre unter den Nationalsozialisten unter anderem in Dachau Häftling war.

„Am 1. 1. 1961 überkam mich der Gedanke, der mich seitdem nicht mehr verlassen hat, dass in das ehemalige Konzentrationslager Dachau ein Karmel (ein Karmel vom Kostbaren Blut) hingehört ..."
[aus dem Brief vom 2.1.1962 von Priorin Mutter Maria Theresia an Kardinal Döpfner]

Weihbischof Johannes Neuhäusler rührt die „Werbetrommel“

Weihbischof Johannes NeuhäuslerUnzählige Verhandlungen mit staatlichen, kirchlichen, amerikanischen (Besatzungs-)Ämtern waren nötig, um an diesem geschichtsbelasteten Ort ein Kloster zu errichten. Gleichzeitig hatte Weihbischof Johannes Neuhäusler die Gabe, die Öffentlichkeit für dieses Werk zu interessieren und zu Spenden zu ermutigen. Dazu gehört auch die feierliche Grundsteinweihe am 28. April 1963 unter großer Beteiligung in der Todesangst-Christi-Kapelle in der KZ-Gedenkstätte, noch ehe ein Spatenstich für das Kloster getan war. Ohne sein unermüdliches Engagement wäre der Karmel Dachau nie entstanden.

„... ließ mich in Übereinstimmung mit Kardinal Julius Döpfner den Antrag von Karmelitinnen aufgreifen, im Anschluß an das ehemalige KZ, Gelände ein Sühnekloster zu bauen und in der damit verbundenen Kirche den Hunderttausenden von Besuchern auch Gelegenheit zu stiller Besinnung und zum Gebet zu geben ...

Es geht hier nicht nur um ein religiöses, sondern auch um ein nationales Werk. Was wir Deutsche aus Dachau machen, wird in der ganzen Welt bekannt und gewertet. Dachau wird ja nachweislich jedes Jahr von Hunderttausenden besucht, insbesondere auch von Ausländern ...“
[Weihbischof Johannes Neuhäusler in einem der vielen Bettelbriefe]

Architekt Prof. Wiedemann entwirft Bauanlage entsprechend der „Eigenart des Ordens“

Die Aufgabe von Prof. Wiedemann war es nun, dem kontemplativen Leben der Schwestern eine äußere Gestalt zu geben. Über 70 Briefe in der Zeit zwischen November 1962 und November 1964 zeugen von einem sehr persönlichen, mühevollen Ringen, am Ende aber von einer architektonisch gelungenen Vollendung.
„Die Bauanlage entspricht in besonderer Weise der Eigenart des Ordens! Die Zellen sind klein, wirken aber durch ihr Giebeldach wie eine Einsiedlerhütte. Der von überallher sichtbare Weihwasserstein inmitten des Klosters weist auf den zentral gelegenen Chor hin und mahnt so, in der Gegenwart Gottes zu leben. Durch die ebenerdige Anlage wird es den Schwestern auch bei Krankheit und im Alter ermöglicht, bis zuletzt am Gemeinschaftsleben teilzunehmen.

Der Barackencharakter des Baus sowie die Lage der Zellen, die in einer Front alle auf das ehemalige KZ schauen, drängen zu einer ständigen Ausrichtung der ausschließlich auf Gott verweisenden Lebensform der Karmelitinnen. Der Grundriss bildet ein Kreuz, das die ehemalige Lagerstraße fortsetzt und abschließt.“
[aus einer Vorlage für Radio Vatikan 1968 von Mutter Maria Theresia]

Erster Gottesdienst mit Weihbischof Neuhäusler am Fest „Kreuzerhöhung“ 1964

Am Abend des 14. September 1964 – Festtag „Kreuzerhöhung“ – feierte Weihbischof Neuhäusler den ersten Gottesdienst mit den elf Karmelitinnen, die an diesem Tag von Pützchen/Bonn nach Dachau übersiedelt waren, in der noch unfertigen Klosterkirche. Die nächsten Wochen bis zur Einweihung am 22. November 1964 waren mit Putzen, Baureinigung, Einrichtung, Besucherbetreuung, geschäftlichen Verhandlungen und einem Gebets-und Gemeinschaftsleben erfüllt.

„Alles zur Ehre Gottes“

Konsekration 1964Die Einweihung der Klosterkirche nimmt am 22. November 1964 Weihbischof Johannes Neuhäusler vor, die Predigt hält Julius Kardinal Döpfner. Die Gründungsgeschichte endet hier nicht, sondern findet ihren Endpunkt erst im Tod der Gründerin am 10. März 1970. Sie fällt als erstes Samenkorn mit 58 Jahren in die Erde. Sie hat in diesen sechs Anfangsjahren den äußeren Grund gelegt und den inneren Weg der Lebens- und Glaubensgemeinschaft den Schwestern gewiesen. „Gottes Wille ist immer Gottes Liebe.“ Ihr letztes Wort lautete: „Alles zur Ehre Gottes“.

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