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Teresa von Ávila – Heilige, Mystikerin, Dichterin

Eine große Heilige voll von Menschen- und Gottesliebe

Teresa von Ávila (1515–1582) oder wie sie sich selbst nannte:Teresa de Jesús, war eine große Persönlichkeit mit Mut, großem Gottvertrauen, einer sehr guten Menschenkenntnis sowie einer ausgeprägten Fähigkeit, Kontakte und Freundschaften zu pflegen – sie schrieb schätzungsweise 15.000 Briefe, verfasste Dichtungen. Auch verfügte sie über diplomatisches Geschick und kaufmännisches Talent – zwei mitunter wichtige Eigenschaften für die Gründung von 17 Nonnen- und zwei Männerklöstern. Nicht zuletzt besaß sie einen guten Humor und praktischen Hausverstand, der in ihren Werken und erhaltenen Briefen immer wieder sichtbar wird. So schreibt sie zum Beispiel im Buch der Gründungen 13,5:

„Ich reiste mit Johannes vom Kreuz  zur Gründung nach Valladolid […] Und als wir einige Tage Handwerker dort hatten, um das Haus herzurichten, noch ohne Klausur, bot sich die Gelegenheit, Johannes vom Kreuz über unsere gesamte Lebensweise zu informieren, damit er alle Dinge gut verstanden hätte, [...].“

 

 

Beliebt – aber nicht bei der Kirchenobrigkeit

Teresa war sehr beliebt – jedoch nicht unbedingt bei der männlichen Kirchenobrigkeit. So bezeichnete sie der päpstliche Nuntius Filippo Sega (1537-1596) als „ein unruhiges, herumvagabundierendes, ungehorsames und verstocktes Weibsbild, das unter dem Vorwand von Frömmigkeit falsche Lehren erfand [...] und wie eine Lehrmeisterin andere belehrte, ganz gegen das, was der heilige Paulus lehrte, als er anordnete, dass Frauen nicht lehren sollen.“ (Band 2 der Gesamtausgabe, Übersetzung der Briefe, Anm.12 zu Ct 269,3 an Pablo Hernández SJ vom 4. Okt. 1578)

Inneres Beten – mit Gott auf Du und DuBild im Refektorium des Karmel in Alba de Tormes, Sterbeort von Teresa

Der päpstliche Nuntius hat vor allem deswegen so über sie geurteilt, weil Teresa von Ávila für sich und ihre Schwestern das „Innere Beten“ einführte. Das galt für Frauen als gefährlich – gefährlich war die durch das „Innere Beten“ entstehende Freiheit jedoch nur für die Kirchenoberen. Denn Nonnen, die wie Teresa zu ihrem Gott „Du“ sagen, anstatt die von den Kirchenmännern vorgeschriebenen Gebetstexte aufzusagen, das heißt: nur mündliche Gebete zu verrichten, sind von der klerikalen Obrigkeit nicht mehr kontrollierbar.

Teresa ermutigte ihre Schwestern, sich Jesus ganz vertrauensvoll zu nähern und ihn je nach der betreffenden Situation im Evangelium liebevoll anzuschauen und ihn anzusprechen: „Wenn ihr froh seid, dann schaut auf ihn als Auferstandenen, denn allein schon die Vorstellung, wie er aus dem Grab kam, wird euch froh machen. […] Wenn ihr in Nöten oder traurig seid, betrachtet ihn an der Geißelsäule, schmerzerfüllt, ganz zerfleischt wegen der großen Liebe, die er zu euch hat. Er wird euch mit seinen schönen, mitfühlenden, tränenerfüllten Augen anschauen und auf seine eigenen Schmerzen vergessen, um euch über eure hinwegzutrösten, und nur, weil ihr zu ihm kommt, um ihn zu trösten, und den Kopf wendet, um ihn anzuschauen“. (Weg der Vollkommenheit 42,4f.)

Mehr zum „Inneren Beten" lesen Sie in unserem gleichnamigen Menüpunkt.

Mit Gottvertrauen gegen Frauenfeindlichkeit der Kirche

Teresa war sich durchaus bewusst, dass „die Richter dieser Welt lauter Männer sind und dass es keine Tugend einer Frau gibt, die sie nicht für verdächtig halten“. (Weg der Vollkommenheit 4,1) Sie ist daran aber nicht verzweifelt, sondern hat Mut und Kraft aus ihrem Glauben geschöpft. Sie sagt mit Blick auf Jesus:

„Dir, Herr meiner Seele, hat vor den Frauen nicht gegraut, als du durch diese Welt zogst, im Gegenteil, du hast sie immer mit großem Mitgefühl bevorzugt und hast bei ihnen genauso viel Liebe und mehr Glauben gefunden als bei den Männern … Reicht es denn nicht, Herr, dass die Welt uns eingepfercht hat und für unfähig hält, in der Öffentlichkeit auch nur irgendetwas für dich zu tun, was etwas wert wäre, oder es nur zu wagen, ein paar Wahrheiten auszusprechen, über die wir im Verborgenen weinen, als dass du eine so gerechte Bitte von uns nicht erhörtest?“ (Weg der Vollkommenheit CE 4,1)

Späte Ernennung zur Kirchenlehrerin

Eine der vielen Kirchen in AvilaTeresa von Ávila wurde bald nach ihrem Tod 1582 selig- und heiliggesprochen. (1614 und 1622). Die Ernennung zur Kirchenlehrerin dauerte jedoch fast vier Jahrhunderte. Mit der Begründung „obstat sexus" („das Geschlecht steht dem entgegen") hatte noch Papst Pius XI. 1923 die Ernennung als unmöglich abgelehnt. Knapp fünfzig Jahre später (1970) erkennt Papst Paul VI. Teresa von Ávila mit den Worten „eine große, eine einmalige und doch so menschliche und anziehende Persönlichkeit" den Status der Kirchenlehrerin – „doctor ecclesiae" – zu. Einen weltlichen Ehrendoktortitel – „honoris causa" – hatte ihr bereits 1922 die Universität von Salamanca verliehen.

Die Spiritualität Teresas – „Sólo Dios basta“

Das berühmte Nada de turbe in Teresas Handschrift

Das berühmte Nada de turbe in Teresas Handschrift

Nichts soll dich ängstigen
Nichts dich erschrecken
Alles vergeht
Gott ändert sich nicht
Die Geduld
erreicht alles
Wer Gott besitzt
dem kann nichts fehlen
Gott allein genügt

Quelle: Joachim Schäfer – Ökumenisches Heiligenlexikon

Genügt nur Gott? Richtigstellung von P. Ulrich Dobhan OCD

Heißt „Gott allein genügt“, dass der Mensch nur Gott und nichts weiter braucht? Nein, dies ist nicht der Kern der karmelitanischen Spiritualität! Deshalb an dieser Stelle ein wichtiger Hinweis von Pater Dr. Ulrich Dobhan OCD, der gemeinsam mit Schwester Elisabeth Peeters OCD sämtliche Werke Teresas (knapp 2.000 Seiten) und rund 1.300 Seiten Briefe von ihr übersetzt hat und insofern als der Teresa-Kenner schlechthin gelten darf:

„Unglücklicherweise wurde die letzte […] Zeile im Deutschen mit ‚Gott allein genügt‘ übersetzt. Häufig verstand man dieses Kernwort der karmelitanischen Spiritualität dann so, als brauche der Mensch nur Gott, nichts weiter […]. Das „solo“ ist adverbial, nicht adjektivisch zu lesen. Es meint: erst Gott reicht aus, um wirklich Erfüllung zu schenken; hätte ich alles, was das Leben bieten kann, aber die Gemeinschaft mit Gott nicht – es wäre alles […] wie ein ‚Nichts‘. Gerade die hier gemeinte Erkenntnis, dass erst Gott – also ‚Gott nur‘ – dem Menschen entspricht, gibt allem Sinn und Wert, Tiefe und Größe […].“

Den ungekürzten Text finden Sie auf der Website des Provinzialats der Teresianischen Karmeliten (OCD) Deutschland im Menü „Gott nur genügt!?“

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